Die Alpiq Verluste sollen auf die Produktion zurückzuführen sein. Wirklich?

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Alpiqs Probleme und Verluste haben nichts mit der Stromproduktion der schweizerischen Wasserkraftwerke zu tun. Die Wasserkraft repräsentiert in der Gesamtbilanz nur einen winzigen Anteil. Die Probleme sind durch das Verlassen des Kerngeschäftes entstanden. Statt sich auf die Kernkompetenz Stromproduktion zu konzentrieren, spekuliert die Alpiq Führung im Kasino-Handel mit Stromderivaten.

Liliane Held-Khawam, fondatrice Pro Mind Consulting S.A. Lausanne

Ausverkauf von Wasserkraft und Trinkwasser
Les pertes d’Alpiq seraient dues à la production. Vraiment?
Von Liliane Held-Khawam, Pro Mind Consulting SA
31. März 2016
© Übersetzung Roger Burkhardt

Alpiq ist eine in der Schweiz für die Stromerzeugung bekannte Unternehmensgruppe. Sie ist zu einem Mammut geworden, das von einer Vielzahl von Gesellschaften flankiert wird, die mit der Gruppe verbunden sind. Alpiq hat mit einem Umsatz von 6.7 Milliarden Franken nichts mehr mit dem gemein, was sich der normale Schweizer unter Stromproduktion vorstellt …

Konzernstruktur

Sehen Sie sich die Grafiken an. Die Aktivitäten sind in drei Geschäftsbereiche (Sektoren) unterteilt. Die Energie-Produktion in blau, Commerce & Trading in orange und die Dienstleistungen in weiss.

Alpiq Geschäftsbericht 2015, Seite 5, Konzernstruktur per 31.12.2015
Alpiq Geschäftsbericht 2015, Seite 5, Konzernstruktur per 31.12.2015

Kerngeschäft

Betrachten Sie nun bitte die Präsenz in Europa. Commerce & Trading in orange überwiegt, dann kommt die Technik in weiss und das Schlusslicht macht das vermeintliche Kerngeschäft – die Energie-Produktion in blau.

Alpiq Geschäftsbericht 2015 - Seite 2 - Sektoren Europa 2015
Alpiq Geschäftsbericht 2015, Seite 2, Sektoren Europa 2015

Der Umsatz im Jahresbericht 2015 ist nach Sektoren aufgeteilt. Beachten Sie das Verhältnis zwischen Stromproduktion (aqua-blau) und Gesamtumsatz: 372 Millionen Franken für Stromproduktion (Wasserkraft, Kohle, Uran 235 etc.) bei einem Umsatz von 6,7 Milliarden!

Alpiq Geschäftsbericht 2015 - Seite 145 - Informationen nach Geschäftsbereichen
Alpiq Geschäftsbericht 2015, Seite 145, Informationen nach Geschäftsbereichen

Die Hauptaktivität des Alpiq-Dampfers ist Commerce & Trading! Das hat nichts mehr mit dem zu tun, was sich der durchschnittliche Schweizer spontan vorstellt, der als Steuerzahler Alpiq “retten” soll.

Im Bericht 2015 wird sogar präzisiert, dass der Sektor Commerce & Trading an den meisten europäischen Energiebörsen und Plattformen registriert ist. Darüber hinaus bietet der Sektor den Handel mit Strom, Gas, anderen Rohstoffen und Zertifikaten an sowie eine breite Palette von Energiedienstleistungen!

Der Sektor Commerce & Trading der Gruppe brüstet sich, an den Energiebörsen für Elektrizität, Gas, Emmissionsrechte und Zertifikate mit standardisierten und strukturierten Produkten / Derivaten zu handeln.

Es ist daher naheliegend, genauer zu betrachten, was eine Trading-Plattform ist.

Und hier entdecken wir pure, knallharte Spekulation.

Spekulation, Bankrott und Übernahme

Die Preise für Grosshändler / Spekulanten können negativ werden (violett)! Das war z. B. am 28. März 2016 der Fall.

EEX Handelspreise Strom 28. März 2016
Image: EEX Handelspreise Strom 28. März 2016

Es ist daher offensichtlich, dass das internationale Finanz-Kasino Unternehmen infiltriert, indem es in den grossen Gruppen eigene Unternehmenseinheiten schafft. Was für eine Entdeckung!

Alpiq Geschäftsbericht 2015 - Seite 146 - Infos nach Geschaeftsbereichen 2014
Alpiq Geschäftsbericht 2015, Seite 146, Infos nach Geschaeftsbereichen 2014

Aktivitäten im Jahr 2014: Die Präsenz des Sektors Commerce & Trading wird im Jahr 2015 noch dominanter.

Amerikanische, deutsche, französische Banken, sowie die unvermeidliche UBS sitzen alle im selben Trading-Raum. Teilnehmerliste siehe hier.

Es ist klar, dass in diesem Verhalten die Absicht erkennbar ist, Unternehmen von nationaler Bedeutung vorsätzlich in den Bankrott zu treiben!

Inzwischen erweisen sich die Versprechen einer Senkung der Verbraucherpreise für die – im Angebotsmonopol gefangenen – Endkunden als reine Lügen. Die Preise steigen weiter – ebenso die Steuern, die verwendet werden könnten, um den Sektor zu subventionieren …

Strompreise - Komponenten eines typischen Haushaltes in der Schweiz 2015
Strompreise – Komponenten eines typischen Haushaltes in der Schweiz 2015 – VSE

Kurzum, Alpiqs Probleme und Verlustte haben nichts mit der Stromproduktion der schweizerischen Wasserkraftwerke zu tun, welche mit Blick auf die (nach operativen Sektoren aufgeschlüsselte) Gesamtbilanz nur einen winzigen Anteil repräsentiert. Die Probleme sind vielmehr durch das Verlassen des Kerngeschäftes entstanden. Statt sich auf die Stromproduktion – ihre Kernkompetenz – zu konzentrieren, hat Alpiq lieber im Kasino-Handel mit Stromderivaten spekuliert.

Hinzu kommt, was wir in früheren Artikeln aufgezeigt haben und was weiterhin gültig bleibt: Die Verluste wurden durch fragwürdige buchhalterische und fiskale Abschreibungen und Wertminderungen stark erhöht. Weiteres siehe «Verstaatlichen wir die schweizerischen Wasserkraftwerke und Staudämme!»

Alles in allem gibt es keinen plausiblen Grund dafür, dass sich die Stromproduktion in den Händen von Financiers befindet, deren Ziel unkontrolliertes und spekulatives Wachstum ist. Die Stromproduktion könnte sogar rentabel sein, wenn sie sich in der öffentlichen Hand befände.

Anhang

1. Die Stromproduktion mit Wasserkraft repräsentiert nur 34% der 372 Millionen Franken!

Alpiq Geschäftsbericht 2015 - Seite 004 - Energieproduktion 2015
Alpiq Geschäftsbericht 2015, Seite 4, Energieproduktion 2015

2. Im Geschäftsjahr 2015 waren 83.3 % der Mitarbeitenden im Geschäftsbereich Energy Services tätig.

Alpiq Geschäftsbericht 2015 - Seite 005 - Mitarbeitende 2015
Alpiq Geschäftsbericht 2015, Seite 5, Mitarbeitende 2015

3. Hochinteressante Immobilien- und Vermögenswerte in rot.

Wenn das Ziel der Gruppe ist, sich immer mehr in Richtung von Commerce & Trading und/oder Energiedienst-leistungen zu bewegen. Die Produktion verfügt über Realwerte von mehr als 5 Milliarden Franken (rot) !

"Alpiq